In den 1930er-Jahren erlebte Martin & Co. einen wahren Höhenflug, denn den Gitarrenbauern aus Nazareth, Pennsylvania, war es gelungen, ein neues Modell zu entwickeln, das jeder haben wollte: die Dreadnought. Damals waren Gitarren kleiner, was zwar kein Problem war, aber im Zusammenspiel mit Banjo und Violine ging der Gitarrenklang oft unter. Da es noch keine Verstärker gab, entwickelte man eine Alternative: einen größeren und tieferen Korpus mit einem etwas längeren Hals. Damit schrieb Martin Gitarrengeschichte, denn bis heute ist die Dreadnought das beliebteste Akustikgitarrenmodell. Warum? Sie ist ein absolutes Allroundtalent. Sowohl Strumming als auch Bluegrass klingen fantastisch, Fingerpicking gelingt mühelos, und egal, was man spielt, die Lautstärke reicht aus, um sich gegen Banjo und Violine durchzusetzen. Dank des wunderschönen Fischgrätmusters sah Martins Dreadnought-Gitarren einfach umwerfend aus. Wer würde sich das nicht wünschen? Unterdessen machte man sich in Gibsons Hauptsitz Sorgen. Natürlich stellten sie großartige Gitarren her, die auch heute noch Sammlerstücke sind. Wie zum Beispiel die fantastische L00. Die Verkaufszahlen waren zufriedenstellend, aber Dreadnoughts wurden immer beliebter. Um Martins Flaggschiff Paroli bieten zu können, brauchte Gibson etwas Besseres. Etwas Größeres! So entstand die J-35. Das J steht für Jumbo und die 35 für den Preis: 35 Dollar. Mit diesen Vorzeigegitarren verfolgte Gibson einen klaren Kurs: keine aufwendig verzierten Instrumente, sondern robuste Arbeitstiere mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis, auch wenn die Qualität mitunter etwas schwankte. Um Martin wirklich ernsthaft zu schlagen, war jedoch noch mehr nötig. Etwas noch Größeres, etwas Fortschrittlicheres, kurzum: die ultimative Gitarre. Daraus entstand die Advanced Jumbo. Ein neues Gitarrenmodell mit etwas längerem Hals, etwas größerem Korpus, einer sehr ausdrucksstarken Adirondack-Decke, einem Korpus aus überwiegend brasilianischem Palisander, markanten Perlmutt-Einlagen im Hals und einem Sunburst-Finish, das jederzeit einen Hauch von Sonnenuntergang ins Haus holt. Und das alles für 80 Dollar; 20 Dollar weniger als eine Martin zu dieser Zeit. Diese grandiose, preisgünstige Kanone sollte jene Gitarre mit dem Fischgrätenmuster schnell in die Bedeutungslosigkeit befördern: Der Bone Crusher war geboren. Doch es kam etwas anders. Zwischen 1936 und 1939 wurden nur 300 originale AJs gefertigt. Nicht etwa, weil es schlechte Gitarren gewesen wären, ganz im Gegenteil. Sie waren jedoch recht teuer, die Weltwirtschaftskrise hielt an und der Krieg stand bevor. Die Ressourcen waren knapp, der Markt klein und Gibson konzentrierte sich weiterhin auf Innovationen. So wurden die AJs ab 1939 von der Jumbo-100 und der Super Jumbo 200 abgelöst: Modelle, die sich dank ihres einzigartigen Charakters bis heute behaupten. Infolgedessen geriet die AJ in den 1940er und 1950er Jahren in Vergessenheit und wurde erst Jahre später als etwas ganz Besonderes wiederentdeckt. Deshalb findet man sie teilweise nur in bestimmten Studios; Mark Knopfler besitzt beispielsweise eine in seiner Sammlung. Und nur sehr selten gelingt es uns, eine zu ergattern. Ist die Gibson Bone Crusher wirklich besser als eine Martin? Seitdem herrscht zwischen Gibson und Martin ein gesunder Wettbewerb, und bis heute versuchen beide Hersteller, sich gegenseitig zu übertreffen. Manchmal durch die Entwicklung völlig neuer Modelle, häufiger jedoch durch die Rückbesinnung auf ihre reiche Geschichte. So hat der Name „Bone Crusher“ zahlreiche Weiterentwicklungen erfahren und ist zum Synonym für alle Gibson-Modelle geworden, die angeblich „besser“ als eine Martin sind. Beispielsweise wurde die J-60 später ebenfalls als „Bone Crusher“ bezeichnet. Der Sieger dieses andauernden Wettstreits zwischen Martin und Gibson sitzt weder in Nazareth noch in Montana. Der wahre Gewinner sitzt gemütlich zu Hause auf dem Sofa. Denn dank dieser Rivalität fertigen beide Hersteller großartige Gitarren mit einem unverwechselbaren Charakter, geprägt von ihrer reichen Geschichte und ihrer ganz eigenen Klangsprache. Wir freuen uns, beide Marken anbieten zu können. Zum Glück gelingt es uns auch in diesen Zeiten, sowohl neue Gibson- als auch Martin-Gitarren auf Lager zu haben. Und wir erhalten regelmäßig wunderschöne Vintage-Gitarren beider Hersteller, die meist schnell einen neuen Besitzer finden. Bleiben Sie also auf unseren Facebook- und Instagram-Seiten auf dem Laufenden und verpassen Sie nichts! Möchten Sie auf einem alten oder neuen Herringbone oder einem Bone Crusher spielen? Besuchen Sie gerne unseren Laden Dedemsvaart.