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The magic of nitro!
The magic of nitro!

Die Magie des Nitro!

10. September 2020

Nitro ist die Abkürzung für Nitrocellulose, eine Lackart, die in den 1950er-Jahren dank der Automobilindustrie ihren Siegeszug antrat. Bis dahin gab es nur wenige gute Lacke, die sich schnell und in verschiedenen Farben sprühen ließen, doch mit Nitrocellulose änderte sich das schlagartig. So griffen auch die Möbel- und Musikindustrie zum Sprühgerät, um Bänken, Sideboards und Gitarren einen trendigen Farbton zu verleihen. Ohne diesen Lack wäre das nicht möglich gewesen.

Im Laufe der Zeit entdeckten wir einige Nachteile von Nitrocellulose. Das liegt daran, dass Nitrocellulose einer der ersten Kunststoffe war, der auch zur Herstellung von Filmen (Zelluloid) verwendet wurde. Um das Material als Beschichtung aufsprühen zu können, muss es vorher verdünnt werden. Dies geschah üblicherweise mit aggressiven Chemikalien wie Aceton und ähnlichen Produkten: giftig, brennbar und gefährlich in der Handhabung.

Diese altmodischen Verdünner verwandelten Nitrocellulose in eine sprühbare Flüssigkeit, die zudem ins Holz eindrang. Daher mussten mehrere Schichten aufgetragen werden, und man konnte nicht einfach mit der zweiten Schicht fortfahren, da der Verdünner erst verdunsten musste und die Nitrocellulose anschließend als hauchdünne Schicht zurückblieb. Dieser Verdunstungs- und Trocknungsprozess dauerte lange, und wenn man eine neue Schicht aufsprühte, wurde die alte wieder „feucht“, musste erneut trocknen usw. Daher dauerte das Lackieren eines Gitarrenkorpus mit Nitrolack Wochen.

Und wenn der Nitrolack endlich auf dem Gitarrenkorpus ist, hält er nicht besonders gut, da die Verdünnung über Jahre hinweg verdunstet. Deshalb vergilbt der Lack, es entstehen Risse bei Temperaturschwankungen und er ist nicht sehr kratzfest. Gitarren mit Nitrolack sehen daher nie lange wie neu aus.

Poly

Es gab viele Gründe, nach einer besseren Alternative zu suchen, und diese wurde in Form von Polyurethan (auch Urethan oder Poly genannt) und dem noch härteren Polyester gefunden. Beide sind deutlich umweltfreundlicher, da sie ohne giftige Lösungsmittel verarbeitet werden können. Zudem geht der Lackiervorgang wesentlich schneller vonstatten, da eine einzige Schicht Poly ausreicht, die nach dem Auftragen farb- und kratzfest ist. Dadurch ist Poly günstiger und besser, weshalb es sich schnell zum Industriestandard entwickelte und bis heute gilt.

Aber: dieser Klang!

Doch im Laufe der Jahre wurde deutlich, dass Polyurethanlack nicht für jeden die optimale Lösung ist. Denn diese alten, abgenutzten Gitarren mit Nitrolack sehen zwar nicht perfekt aus, klingen aber großartig und fühlen sich fantastisch an, da sie sich mit der Zeit abnutzen und sich dadurch der Hand anpassen. Aber was ist mit diesen Rissen? Das ist doch ein schönes Craquelé! Und dieser warme, transparente Klang … aaah! Aber Moment mal … liegt das am älteren Holz? Am jahrelangen Spielen? Oder … an der sehr dünnen Lackschicht?

Die Lackierung hilft wahrscheinlich, denn eine Gitarre ist mehr als nur die Lackierung. Jedenfalls: Mit Polyurethanlack umhüllt man das Holz mehr oder weniger und macht das Instrument dadurch härter. Das könnte den Klang verändern.

Im Internet wird heftig über die Klangunterschiede diskutiert. Jede Gitarre klingt anders, daher gibt es auch Unterschiede zwischen Nitro- und Polyurethanlack. Aber zu behaupten, Nitro sei immer besser? Schließlich spielte auch Jimi Hendrix auf Gitarren mit Polyurethanlackierung und erzielte damit einen mehr als ordentlichen Klang.

Nitrocellulose oder Poly?

Nitro fühlt sich anders an: Es ist etwas glatter, sogar etwas rutschig, was manche Gitarristen mögen. Nitro ist aber auch weniger formstabil und nutzt sich mit der Zeit ab. Vorsicht ist auch bei manchen Gitarrenschäften mit Schaumstoffschicht geboten. Diese könnten etwas dünner sein und die Gitarre klebrig machen.

Möchtest du eine Gitarre, die du viel spielst und die immer wie neu aussieht? Dann solltest du dir keine Gitarre mit Nitrolackierung kaufen. Stehst du oft auf der Bühne? Dann kann eine Polyurethanlackierung dazu führen, dass du deine Gitarre viel seltener stimmen musst, da die harte Schicht für mehr Stabilität sorgt.

Haben Sie ein begrenztes Budget? Dann müssen Sie nicht auf Polyurethan zurückgreifen, denn zum Glück gibt es heutzutage eine große Auswahl. Nitrolackierung war lange Zeit teuren Vintage- und Custom-Shop-Modellen großer Marken wie Fender und Gibson vorbehalten. Aber zum Beispiel stellt Atkin wunderschöne Akustikgitarren mit Nitrolackierung zu einem sehr vernünftigen Preis her. Auch Eastman bietet Modelle mit Nitrolackierung an. Und wie sieht es bei den Gitarrenbauern von RebelRelic aus unserer Hauptstadt aus? Die setzen ausschließlich auf Nitrolackierung!

Auch der umgekehrte Weg ist möglich. Sie möchten eine Top-Gitarre mit Polyurethanlackierung ausprobieren? Einen robusten Bühnenbegleiter, der einiges aushält und trotzdem jahrelang wie neu aussieht? Dann schauen Sie sich die Gitarren von Suhr an.

Möchten Sie den Unterschied zwischen Nitro- und Polyurethanlack fühlen, hören und sehen? Dann kommen Sie doch einfach bei uns in Dedemsvaart vorbei. Wir haben beide Varianten immer vorrätig und helfen Ihnen gerne bei der Auswahl!

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